Zumeist geht der Impuls, sich Rat und Hilfe in der Trennungskrise zu holen, von nur einem der Partner aus. Dies ist auch immer die Suche nach einem Weg, die Beziehung doch noch zu retten. Wer klar entschieden ist zu gehen, der geht auch. In allen anderen Fällen gibt es eine reale Chance auf Versöhnung. Daher ist der wichtigste Schritt, dass beide Beteiligten gemeinsam kommen und gemeinsam nach einer Chance suchen. Verweigert der Andere dieses Suchen nach Chancen, ist es fast immer die Absage an die Hoffnung auf eine gemeinsam gesuchte Lösung. Beziehungen funktionieren aber nur, wenn Kompromisse gemeinsam gefunden werden.

In einigen Fällen sind die Probleme des Paares ganz klar die Probleme eines der Partner. Auch das kann und muss gemeinsam besprochen werden. In solchen Fällen ist der Fokus der Arbeit das Individuum, wobei Paargespräche ein Teil davon sein können. Es kommt auch vor, dass jemand nur aus Angst und Hilflosigkeit in einer pathologischen Beziehung feststeckt. Hier kann Psychotherapie ein Weg zur Befreiung sein.

Die Ehe und die Gründung einer Familie ist die zentrale Lebensentscheidung für fast alle Menschen. In keine persönliche Entscheidung wird mehr investiert: so viele Lebensjahre, soviel Hoffnung, soviel Zeit, soviel Kraft, Liebe und letztlich auch Geld. Das Gelingen oder Scheitern dieses Unternehmens ist entscheidend für Lebensglück und Zufriedenheit. Weder Geld noch Ruhm oder Macht können das Scheitern einer Ehe aufwiegen. Immer ist dabei das Leben von Vielen betroffen, zuallererst die Kinder, aber auch die Verwandtschaft und die Freunde. Nur sehr selten hat man eine zweite Chance.

Niemand löst leichtfertig eine Ehe auf. Fast immer dauern die Trennungsprozesse sehr lange und es gibt immer viele Chancen, die verspielt werden müssen, bis eine Trennung endgültig wird. Hier entsteht stets sehr viel Schmerz und Enttäuschung, hier sind aber auch die Wege, die - mutig beschritten - zu weniger zerstörerischen Trennungen und mindestens ebenso oft auch zur Versöhnung und zum Erhalt der Ehe führen.

Am Anfang dieses Prozesses steht die Wiederaufnahme des Gesprächs miteinander. Es gilt, eine Einfühlung für die Position des Anderen zu entwickeln und konstruktives, verlässliches Verhalten für den Versuch einer Wiederversöhnung zu entwickeln. Die bislang uneingestandenen Gefühle müssen ausgedrückt und ehrlich einander mitgeteilt werden. An diesem Punkt ist die Hilfe eines erfahrenen Psychotherapeuten nützlich.